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Was ist eigentlich ein Messier- Marathon?

Es ist ein Zufall, dass sich die Sonne einmal im Jahr (immer um die Frühlingsäquionktium) auf einem Gebiet befindet, wo sich kein einziges Objekt des berühmten Messier-Katalogs befindet. Daraus folgt jedoch, dass man theoretisch am Ende des Winters und am Anfang des Frühlings während einer Nacht praktisch alle Objekte der berühmten Liste von den hellsten deep-sky Objekten sehen kann. Dazu genügt nur ein bisschen Wetterglück und eine sehr gute Vorbereitung.


Ch.J.Messier

Diese ungewöhnliche Beobachtung nennt man „Messier-Marathon“. Es haben sich Astronomen-Amateure aus Nordamerika als Unterhaltung, Beobachtungsmotivation und gleichzeitig zum Gewinnen von neuen Erfahrungen ausgedacht. Dieser Marathon wird schon mehrere Zehnerjahre „gelaufen“. Und natürlich wie jeder anderer Marathon ist auch Messier-Marathon nicht einfach. Insbesondere dann, wenn die „rechtgläubiger Sportler“ verbieten die geteilten Ringe geschweige denn die modernen automatisch gelenkten Teleskopen dabei zu benutzen.

Also wenn es Ihnen gelingt bei der ersten Beobachtung fünfzig bis siebzig Objekten des Katalogs zu erblicken, können Sie richtig zufrieden sein. Auf jeden Fall geht es bei Messier-Marathon um brillante Übung der Arbeit mit Sternkarten und einem Teleskop. Man kann auch während des Jahres üben aber natürlich nicht mit solcher Motivation.

Was alles braucht man zu einem Messier-Marathon? Unbedingt brauchen Sie ein rotes Licht, ein Prismenfernrohr, ein Teleskop am Stativ befestigt (geeignet ist z.B. binar 25x100) und ein gutes Atlas (bzw. spezial vorbereiteten Suchkarten), in dem Sie sich die Lage einzelnen Messierobjekten markieren (falls Sie sie nicht genau kennen). Bestimmt schickt sich auch detaillierte Karte der Sternbildern Jungfrau und Haare von Berenike, wo sich die meisten Messierobjekte befinden. Eine gute Voraussetzung ist auch Auswahl einer geeigneten Beobachtungsstelle. Man braucht ein ungestörter Ausblick sehr nah dem Horizont und natürlich auch saubere und klare Luft. Falls alles vorbereitet ist, dann hofft man auf gutes und klares Wetter und wenn noch die Mondphase zu „Neumond“ gelingt, kann man auf die mühevolle Strecke losrennen.

Wie die Erfahrungen vielen Astronomen zeigen, ist es vorteilhaft schon bei Dämmerung anzufangen. Die ersten zwei „Anhaltspunkten“ sollen die Objekte nah dem nordwestlichen Horizont die Galaxie M 77 im Wahlfisch und M 74 in Fischen sein. Diese zwei Objekte zu erblicken ist aber sehr kompliziert und wahrscheinlich gelingt es Ihnen gar nicht.

Seien Sie aber nicht enttäuscht. Falls so etwas passiert, zögern sie nicht zu lange und schnell schauen sie sich die Drilling M 31, 32 und 110 in Andromeda an, dann gleich weiter die Kugelsternhaufen M 79 im Hasen und die Galaxie M 33 im Triangel, die auch schnell im hellen Nebel des westlichen Horizont verschwinden. Nach dem Sie diese schwierige Zielpunkte erreicht haben, brauchen Sie sich nicht mehr so viel beeilen und schauen Sie sich ruhig die Objekten der herbstlichen und der winterlichen Sternbildern an.

Wahrscheinlich gegen Mitternacht kommen Sie „ins Herz den Frühlingsgalaxien“ an. Die Jungfrau und Haare der Berenike, hier beginnt die „Messier-Ernte“. In unüberschaubarer Presse von nebeligen Flecken schätzen Sie unzweifelhaft die detaillierte Karte. Aber vielleicht werden Sie schon in so einem Vorlauf, dass Sie sich nach eine oder zwei Stunden Suchezeit eine kurze Pause mit einer Tasse heißen Tee oder Kaffee gönnen.

Um drei Uhr morgen nähern Sie sich auf jeden Fall zum Ziel. Bald beginnt es zu tagen, also es bleibt nichts anderes übrig als sich auf den Osthorizont zu orientieren um sich die Objekten des Sommer- und Herbsthimmel anzuschauen. Es sind die Kugelsternhaufen M 2, M 72 und M 73 im Wassermann, M 55 a M 75 Kugelsternhaufen im Schütze, M 30 im Steinbock und falls es Ihnen am Abend misslang, können Sie jetzt probieren die M31 Spiralgalaxie im Andromeda zusammen mit M 32 a 110 auszusuchen.

Mit steigender Helligkeit des Himmels, mit dem Hahnenruf, mit fallendem Tau und angenehmer Müdigkeit sind Sie am Ziel. Jetzt ist die richtige Zeit für die Rekapitulation ihrer Ergebnisse und für den Austausch den Erlebnissen mit den Gegnern der gerade beendeten Nacht. Aber was schreibe ich, korrekt wäre doch „mit Freunden“. Also viel Spaß.

Autor: Eva Košièárová
Last Update: 5. 11. 2007

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